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Kinderfüße und brauchen sie wirklich Einlagen?
Durch unterschiedliche Entwicklung eines Kindes vor der Hochzieh-, Steh-, Geh- bis zur Laufphase werden, mit Einfluss auch von genetischen Komponenten, die Entstehung von verschiedenen Fußformvarianten mit beeinflusst und geprägt. Dabei spielt die Verteilung von Muskel- zur Knochenmasse, bzw. das Muskelverhältnis im Vergleich zum Unterhautfettgewebe eine entscheidende Rolle. Viele Kinder knicken im jungen Laufalter nach innen weg, so dass sie auch manchmal stolpern. Das nach Innen-Wegknicken des Fußes gehört in die Gruppe der kindlichen Knick-Senk- und Plattfüße. Diese Fußstellung wird besonders häufig zu Beginn des Kindergartenalters beobachtet. Die Eltern meinen: „Das Kind steht neben seinen Füßen“. Man unterscheidet dabei zwischen angeborenen und erworbenen Fußfehlformen. Bei den erworbenen spielen Bandlaxizität, Muskelschwäche, Übergewicht oder primär ursächliche X- bzw. O-Beine und Lähmungen eine wichtige Rolle. Sieht man beim Hinstellen des Kindes auf die Zehen keine deutliche Ausbildung eines inneren Längsgewölbes, sollte man sich beim Orthopäden vorstellen. Denn der an sich harmlose Knick-Senk-Fuß macht bei einer Reihe von Kindern auch Beschwerden. Diese Kinder geben dabei die Beschwerden nicht im Fuß, sondern im Unterschenkel, im Knie und/oder in der Hüfte an. Manchmal versteckt sich hinter diesem Gangbild ein Drehfehler der Hüften oder des oberen Sprunggelenkes oder eine Bein-Fehlstellung des Unterschenkels. Die Fehlstellung in den Hüften erkennt man oft an dem „Zwischenbeinsitz“ (das Kind sitzt zwischen den nach hinten gebeugten Unterschenkeln).
Bei den Fußauffälligkeiten achtet der Kinderorthopäde besonders auf die Festigkeit der Fehlstellung, das heißt, alle entwicklungsbedingten Fehlstellungen sollten sich mühelos mit den Händen korrigieren lassen, denn bei Kleinkindern ist das Fußskelett noch weich und verformbar. Ist dies nicht möglich, berät der Kinderorthopäde zunächst über eine Behandlungsmöglichkeit, nachdem er im Stehen, am besten auf einem Podest mit Glasplatte und Spiegel, den Fuß unter Belastung von unten betrachtet und diagnostisch eingeordnet hat. Die „Kontrakturen“ (Weichteilverkürzungen) betreffen besonders den fixierten Knick-Senk-Fuß, sowie den angeborenen Klumpfuß, den Hackenfuß und den Sichelfuß. Diese Abweichungen von der Norm finden sich oft familiär gehäuft. Eine Behandlung von Fußfehlstellungen erfolgt überwiegend in der Hand des Physiotherapeuten durch gezielte Krankengymnastik, von Fall zu Fall auch auf neurophysiologischer Basis. Allgemein wird zusätzlich die natürliche Fußmassage empfohlen: Kinderfüße sollen über Gras, Sand oder über kleine Steinchen laufen. Dadurch werden gleichsam die Fußsohlen gereizt und hierüber die Muskeln, Sehnen und Bänder stimuliert. Die Durchblutung wird angeregt und die Füße werden somit „natürlich massiert“ und aktiv beübt.
Die meisten Kinder benötigen keine Einlagen. Für einen Teil der Kinder, die kontrakte Fehlstellungen haben oder aufgrund ihres Knick-Senk-Fußes Beschwerden bekommen, können Einlagen ein sehr gutes therapeutisches Hilfsmittel sein. Wenn es sich nicht um eine harmlose Normvariante handelt, stellt ein erfahrener Orthopäde hierzu die Indikation. Auch sollte er die Herstellung und Anpassung durch den Orthopädie-Schuhtechniker überwachen. Einlagen sind individuelle Hilfsmittel, müssen dem Fuß nach exaktem Abdruck angepasst werden und können nicht konfektioniert aus dem Regal mitgenommen werden. Therapeutisches Ziel ist es, je nach Korrekturstellung mit Hilfe von Pelotten (lokalen Erhöhungen) die Sensoren der Nerven in Sehnen und Muskeln zu stimulieren und/oder Bereiche der Fußsohle durch eine Bettung zu entlasten. Dieses wird als funktionelle Behandlung angesehen. Eine Nachkontrolle erfolgt durch den Kinderorthopäden sowie den Orthopädie-Schuhtechniker nach ca. 3-4 Monaten, da Kinderfüße unregelmäßig wachsen.
Insgesamt gilt: Der Fuß ist ein wichtiges Sinnesorgan. Wir können mit den Füßen fühlen. Deshalb ist es so wichtig, die Kinder viel barfuß laufen zu lassen und nicht teure, sogenannte propriorezeptive, teilweise serienhergestellte (konfektionierte) Einlagen anfertigen zu lassen, die diesen Effekt künstlich nachholen sollen.
Bei gesunden Kindern entwickeln sich die Füße zu Lauf-Organen und sollen nicht in den Schuhen degenerieren. Es ist bekannt, dass die Füße auf Druck relativ schmerzunempfindlich reagieren, da sich das Nervensystem und somit die Empfindlichkeit erst noch entwickeln. Während unsere Vorfahren keine Schuhe und wohl auch keine Fußprobleme bei wesentlich mehr „Bewegung“ hatten, sind heute Fußprobleme beim Erwachsenen häufig anzutreffen. Lassen auch Sie Ihre Kinder besonders im Sommer häufig barfuß spielen und laufen. „Zeigt her eure Füße“ soll ein schönes Bild abgeben.
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